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Behausung, 2005/Baumgasse 3
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Vier
Wände, vier Keilrahmen zum Würfel gestellt, bespannt
mit Leinwand, begrenzter Raum, definiertes Leben. Christoph
Mayer ist Maler, er stellt Beziehungen her. Beziehungen zwischen
Farbe und Leinwand, zwischen Bild und Raum, zwischen Produzent
und Konsument.
Den Wohnkubus, bestehend aus vier Tafelbildern und Versatzstücken,
placiert Mayer in seinem Atelier. Das Atelier ist zum Teil auch
Wohnraum und entwickelt sich zum Ausstellungsraum, der Rahmen
und gleichzeitig Bezugsrelation für das Werk/die Werke
wird. Denn aus der Idee, aus dem Bedürfnis mit dem Mayer
ein Werk beginnt, ergeben sich logische Konsequenzen. So wie
er ein Bild aus seiner Zweidimensionalität heraus organisiert,
so organisiert er auch die Dreidimensionalität, die es
umgibt, und er verschränkt beide miteinander. |
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Im Atelier erarbeitet er Werke, sie besetzten
Plätze im Raum ihren Entstehungsbedürfnissen gemäß,
sie lehnen an Wänden, liegen am Boden, finden zueinander.
Das Wohnen geschieht neben der Arbeit, es ergibt sich aus den
Erfordernissen des täglichen Lebens. Das Wasser muss funktionieren,
die Therme soll nicht explodieren, der Stuhl nicht zusammen
brechen und zum Schreibtisch passen.
Im Ausstellungsraum arrangiert Mayer das Produzierte mit seinen
geschulten und trainierten Erfahrungsempfindungen. Auch hier
verlangt die konkrete Vorstellung den weiteren Schritt, aus
dem Einen erwächst zwingend das Nächste.
Mayer benennt selber die Orte und die Tätigkeiten, die
einander bedingen. So gehört folgerichtig das Atelier zum
Maler/Autor, die Wohnung zum Installateur, der Ausstellungsraum
zum Inspekteur.
Das jeweils Einzelne und die Gesamtheit des Raums müssen
funktionieren. Mayer variiert Distanzen, die Distanz zum Medium,
sowie die Distanz der Betrachtung. Er durchbricht die lineare
Entwicklung des Tafelbildes, schafft eine eigene Geschichte
der Evolution.
Er kombiniert, alte, abgelegte Bildstücke zu Neuem, gibt
ihnen ungewohnte Plastizität. Treten wir einen Schritt
zurück kippt die Rauminstallation, unser Blick trifft auf
das organisierte Bild.
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Schonungslos setzt er das zelebrierte Tafelbild
unter Druck. Ein altes Stück Teppichboden, eine Resopal-Kachelwand,
Regalbretter sind gleichberechtigte Bildträger. Das geschichtsträchtige,
brennende Windsorcastle bekommt den Titel Tuning’ in Anspielung
auf die aufgemotzten Autos mit ihren kostbar glänzenden
Auspuffen, ein Abflussrohr wird zum graphischen Element. Ein
Video, Metapher für das Leben im Siedlungsverband, gewinnt
durch mehrmaliges Abfilmen eine exquisite bildnerische Qualität,
während der erkennbare Bildgegenstand immer unkenntlicher
wird.
Unser Auge wird in beinahe traditioneller Weise durch Farben
und Linien geführt, aber zwischen Illusion und Konkretem,
ganz untraditionell, ständig hin und her gejagt. Die Realität
kippt in die Imagination.
Mayer löst Bildhierarchien auf und bezieht sich dabei auf
mathematische Begriffe aus der Mengenlehre; die Quasiordnung
entwickelt sich über die fundierte Ordnung zur vollständigen
Halbordnung. |
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Er verfolgt konsequent ein beständig dynamisches
hin und her kippen zwischen transzendenten und immanenten Erscheinungsformen
und folgert daraus: ’Realitätsgewinn ist gleich Traumverlust
/ Traumgewinn ist gleich Realitätsverlust’.
So wie sich die Grenzen zwischen Alltags-, Nutz- und Ausstellungsraum
verunklären, verwischt er die traditionellen Schranken
der künstlerischen Mittel, um uns schlussendlich in einen
spannungsreichen Bildraum eintreten zu lassen, in dem seine
Realität, die des Autors und unsere Imagination, die des
Betrachters miteinander verschmelzen.
(Sophie Geretsegger) |
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